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adhs22.04.2014

ADHS – das "Zappelphilipp-Syndrom"

Bei der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung, kurz als AHDS bezeichnet, ist die Fähigkeit zur Aufmerksamkeit signifikant vermindert. Weitere Kennzeichen sind starke Unruhe (= Hyperaktivität) sowie eine überschießende Impulsivität. ADHS tritt zumeist bei Kindern auf, kann jedoch auch Erwachsene betreffen.Zwar ist ADHS erst seit ein paar Jahren in aller Munde, doch existiert das Krankheitsbild schon über hundert Jahre lang: 1902 erwähnte der britische Kinderarzt George Still während seiner Vorlesungen einen "Defekt moralischer Kontrolle bei Kindern". Auch im "Struwwelpeter", ein Kinderbuch des Frankfurter Neurologen Heinrich Hoffmann, wurde die Störung bereits 1845 thematisiert. Deutschlandweit sind Schätzungen zufolge ungefähr drei bis sechs Prozent, das heißt dreihundert- bis sechshunderttausend Kinder und Jugendliche an ADHS erkrankt. Mädchen sind wesentlich seltener betroffen als Jungen. Wird die Störung im Kindes- oder Jugendalter diagnostiziert, bleiben bei ungefähr 60 Prozent der Patienten die Symptome bis ins Erwachsenenalter bestehen.

ADHS – Ursachen und Symptome

Wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge liegt ADHS eine beeinträchtigte Signalübertragung im Gehirn zugrunde. "Im Normalfall sind Neurotransmitter, also biochemische Botenstoffe wie Dopamin und Noradrenalin, für das Übermitteln von Informationen zuständig; bei an ADHS Erkrankten ist deren Funktion erheblich eingeschränkt", erklärt Verena Biegner, Apothekerin der Versandapotheke mediherz.de. In einem Großteil der Fälle basiert dieses Defizit vermutlich auf genetischen Ursachen. Wie stark ADHS ausgeprägt ist, hängt von weiteren Faktoren ab: Körperliche Probleme der Mutter sowie Nikotin- oder Alkoholkonsum während der Schwangerschaft und ein niedriges Geburtsgewicht des Säuglings können die Ausprägung von ADHS maßgeblich beeinflussen. Auch tragen ein ungünstiges soziales Umfeld, mangelnde Konsequenz der Eltern sowie fehlende Zuwendung zu einem negativen Verlauf der ADHS bei. Da Kinder, die unter ADHS leiden, häufig auch von Nahrungsunverträglichkeiten oder Allergien betroffen sind, wird ein Zusammenhang vermutet – dieser konnte jedoch bisher nicht wissenschaftlich verifiziert werden. Wer unter ADHS leidet, verfügt über eine mangelnde Konzentrationsfähigkeit und reagiert häufig unangemessen impulsiv. Hyperaktivität kann, muss aber nicht hinzukommen; fehlt sie, spricht man von ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom). Weitere mögliche Symptome sind Gereiztheit, Übellaunigkeit beziehungsweise eine Neigung zu depressiven Verstimmungen, übermäßige Ängste sowie Vergesslichkeit. Bei Jungen ist die Hyperaktivität häufig stark ausgeprägt, wohingegen Mädchen zumeist unter einer gestörten Aufmerksamkeit leiden.

ADHS – Diagnosestellung und Behandlung

Besteht der Verdacht auf ADHS, erfolgt zunächst eine ausgiebige Befragung des Betroffenen sowie der engen Angehörigen, auch Lehrer und Erzieher können hinzugezogen werden. Darüber hinaus sollte eine körperliche und neuropsychologische Untersuchung durchgeführt werden. Vor dem Hintergrund der bereits erwähnten Risikofaktoren spielt natürlich auch die gründliche Anamnese des Patienten eine Rolle. Da bei gewissen Erkrankungen der Psyche und der Nerven ähnliche Symptome auftreten wie bei ADHS, müssen diese unbedingt ausgeschlossen werden. "ADHS ist zwar nicht heilbar, jedoch mithilfe einer individuell auf jeden Patienten zugeschnittenen Therapie inzwischen gut behandelbar", berichtet Verena Biegner. Es hat sich gezeigt, dass eine Kombination aus Aufklärung und Beratung der Patienten und ihrer Angehörigen, Verhaltenstherapie und medikamentöser Therapie (schulmedizinisch oder homöopathisch) die größten Erfolgschancen hat. Oberstes Ziel ist die soziale Integration, das Entwickeln eines stabilen Selbstbewusstseins sowie eine schulische Förderung gemäß den Fähigkeiten des/der Betroffenen. Ob überhaupt eine medikamentöse Therapie erfolgen muss, richtet sich nach dem Schweregrad der ADHS – erst wenn seelische und soziale Beeinträchtigungen vorliegen, sollte eine Behandlung eingeleitet werden. Was Eltern unbedingt wissen sollten: Nicht jedes lebhafte Kind leidet an ADHS.



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25.10.2013

ADHS – eine Erkrankung auf dem Vormarsch

Kaum eine gesundheitliche Störung wird so kontrovers diskutiert wie ADHS. Das Syndrom ist seit 1995 bekannt und seit 2003 auch in Deutschland als Erkrankung anerkannt. Vor allem bei betroffenen Eltern sorgte das für Erleichterung, hatte das Zappelphilipp-Syndrom ihrer Kinder doch endlich einen Namen und medizinische Anerkennung gefunden. Diagnose und Therapie von ADHS sollten so früh wie möglich erfolgen, denn die psychische Belastung für betroffene Kinder und deren Umfeld ist enorm.

Was genau ist ADHS?

Heute gilt ADHS als eine der häufigsten Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Es handelt sich um eine psychische Störung, die sich neben impulsivem Verhalten auch in Problemen mit der Konzentration äußert. Auch von Hyperaktivität ist die Rede. Hier ist zu Kindern abzugrenzen, die nur temperamentvoll sind und schnell auf äußere Reize ansprechen. Die WHO formuliert daher konkret die typischen Symptome, um voreilige Fehldiagnosen zu verhindern. Zu den wichtigsten Kennzeichen gehört die beeinträchtigte Aufmerksamkeit mit:
• Träumen,
• Ablenkbarkeit,
• Hast,
• Zerstreutheit,
• Launenhaftigkeit,
• Reizbarkeit, denn die Kinder sind leicht zu motivieren, verlieren aber auch schnell wieder die Lust.

Auch impulsives Verhalten gilt als typisch und äußert sich durch:

• Redefreudigkeit,
• schnelle Handlungswechsel,
• Unfallneigung,
• Ungeduld.

ADHS bringt den Kindern nicht nur Nachteile. Charakteristisch für Betroffene sind eine ungewöhnlich rasche Auffassungsgabe, ihre häufig beobachtete Hilfsbereitschaft und eine gesteigerte Kreativität.

Die Behandlung von ADHS

Die Therapie folgt auf eine gründliche Anamnese, ohne die eine Diagnose nicht möglich ist. Dazu gehört auch die Untersuchung der Lebensumstände. Zu klären ist, wie unruhig oder ruhig das Lebensumfeld ist und ob dort entlastende Situationen geschaffen werden können. Regelmäßige Tagesabläufe sind für die betroffenen Kinder immens wichtig, um zur Ruhe zu kommen. Zu den therapeutischen Ansätzen gehört neben einer medikamentösen Therapie, die schulmedizinisch und naturheilkundlich erfolgen kann, auch ein gezieltes Verhaltenstraining. So sollen die Kinder lernen, sich besser zu konzentrieren, sich selbst aufmerksamer wahrzunehmen und weniger impulsiv zu reagieren. Die begleitenden Therapeuten erziehen dabei nicht Kinder um, sie geben ihnen vielmehr Anreize, um sich auf eine Sache zu konzentrieren. Das kann ein kreatives Projekt sein, aber auch sport- oder spieltherapeutische Ansätze sind möglich. Vor allem Sportarten wie Reiten und Schwimmen, die viel Disziplin erfordern, gelten für Patienten als bestens geeignet, wenn das Interesse daran vorhanden ist. Eine weitere Voraussetzung dafür ist, dass die begleitenden Trainer um die Erkrankung wissen und die Kinder vor überschießenden Reaktionen schützen. Disziplinen mit Schnellkraftanteilen wie Kampfsport oder BMX-Fahren gelten als ungeeignet.

Streitpunkt Ritalin

Tatsächlich ist der Nachweis von ADHS nicht immer einfach. In den meisten Fällen wird die Summe der vorhandenen Symptome als Entscheidungsgrundlage herangezogen. Spricht der Patient auf die Therapie an, gilt die Diagnose als gesichert. Das gilt auch für verabreichte Medikamente. Vor allem Ritalin, ein Medikament, das häufig bei Aufmerksamkeitsstörungen eingesetzt wird, hat für Kritik gesorgt. Es wirkt auch bei nicht erkrankten Personen und wird mitunter illegal eingesetzt. Umfragen haben ergeben, dass auch gesunde Menschen mit dem Stimulans ihre kognitive Leistungsfähigkeit steigern können. Die Einnahme von Ritalin kann mit Nebenwirkungen einhergehen und langfristig das Gehirn schädigen. Mittlerweile gibt es Alternativen, über die sich Eltern gründlich informieren sollten. Betreuend steht auch das Serviceteam der Versandapotheke mediherz.de zur Verfügung.

(Foto: istock)
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